Gedanken zum Gesundheitsgesetz
Haben Sie schon? Wollen Sie noch? Oder lassen Sie es wieder mal sein? Genau, am Sonntag in einer Woche sind wieder Abstimmungen. Gleich zu zwei nationalen und einem kantonalen Geschäft dürfen wir unsere Meinung abgeben.
Normalerweise fülle ich die Stimmzettel aus, sobald sie auf der Post sind. Dieses Mal liegen sie bis heute auf meinem Arbeitstisch und fragen mich still, ob ich nun «JA» oder «NEIN» in die Antwortfelder schreiben werde. Gut, ist es nur eines der drei Themen, bei welchem ich noch am Abwägen bin. Aber auch beim kantonalen Thema, dachte ich zunächst «Ja», sage nun aber «Nein».
Die Regierungen beider Basel sehen vor, mit der Anpassung des Gesundheitsgesetzes pro Jahr einen einstelligen Millionenbetrag einsparen zu können und eine Bundesvorgabe umzusetzen. Primär wegen dieser beiden Punkte habe ich im Landrat für die Anpassung gestimmt. Aber wie in der Medizin, sollten auch Gesetze nicht das Symptom bekämpfen, sondern die Ursache angehen.
Unser Gesundheitswesen ist gut, sehr gut sogar. Jedoch – und darum geht es bei dieser Abstimmung – es ist auch sehr teuer. Die Idee hinter dem Gesetzt ist nun, dass das Angebot an Ärzten in gewissen Bereichen begrenzt werden soll, so dass die dadurch nicht mehr erbrachten Leistungen die Gesundheitskosten entlasten.
In der Schule lernten wir, dass das Angebot die Nachfrage beeinflusst und dies auch umgekehrt funktioniert. Gemäss den Abstimmungsunterlagen haben wir in unserer Region eine sehr hohe Ärztedichte in den chirurgischen respektive technischen Spezialdisziplinen. Warum also fallen durch dieses Überangebot die Preise nicht einfach und regulieren so das Angebot automatisch?
Weil wir uns im Gesundheitswesen nicht in einem freien Markt befinden. Die Preise sind in Tariftabellen fixiert und die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr durch mehr Menschen, geringere Resilienz, höhere Lebenserwartung und anderen Faktoren an.
Das Angebot nun mit Verboten zu verknappen ist in meinen Augen aber Symptombekämpfung. Ursache der steigenden Kosten sind nur zum Teil die Ärzte. Der grössere Teil der Ursache ist der explodierenden Nachfrage geschuldet.
Gingen 2002 gemäss Bundesamt für Statistik noch etwa 62 % aller Menschen ab 15 Jahren in der Schweiz mindestens einmal zum Allgemeinmediziner, waren es 2022 schon rund 73%. 2002 lebten 7.3 Mio. Menschen in der Schweiz, 2022 waren es 8.8 Mio. Schon nur aus diesen Zahlen ist eine Zunahme von knapp 2 Mio. oder über 40 % zusätzlicher Arztbesuche herauszulesen. Zu den Spezialisten gingen 2002 ca. 30 % mindestens einmal, 2022 waren es schon knapp 50 %. In der gleichen Periode stieg der Konsum von Medikamenten zudem um 34 %.
Wäre der besser Ansatz nun also nicht, zu schauen, wie wir die Nachfrageentwicklung umkehren können, so dass wir wieder in einer gesünderen Gesellschaft leben können? Klar! Aber dazu braucht es Taten. Mehr Bewegung, gesünderes Essen, genügend Schlaf und weniger Stress täten uns wohl allen gut.
Ein erster Schritt in diese Richtung könnte sein, die ausgefüllten Stimmzettel zu Fuss oder mit dem Velo auf die Gemeinde zu bringen.