Artikel,  Gemeinderat Rümlingen

Dankbarkeit

Vor ein paar Tagen haben wir damit begonnen, mein Büro in ein Kinderzimmer umzuwandeln. Unsere vier Kinder im Altern von zwei bis bald acht Jahren teilen sich noch zu zweit ein Zimmer. Aber mit dem Älterwerden nimmt der Wunsch nach einem eigenen Rückzugsort zu. Als dann noch der Maler am Freitag anrief, er könne am Montag bei uns beginnen, war das Wochenende geplant.

Mit meinem Ältesten machte ich mich an die Arbeit, die Wand- und Deckenelemente zurück zu bauen. Mittendrin meinte er: «Jetzt hast du dir so viel Mühe gegeben, das alles so zu machen und jetzt räumst du es für uns wieder weg.» und gab mir eine Umarmung. Mir wurde warm ums Herz.

Es ist rar geworden, dass man Dankbarkeit erfährt. So laut wird nach diesem und jenem verlangt. So rasch wird angeklagt, wie schlecht es doch alle machen. So rasch ist der Bogen überspannt. So selten wird aufrichtig gedankt. Sagt uns dann doch jemand «Danke!» wissen wir kaum mehr damit umzugehen und erwidern ein nervöses «Nicht der Rede wert.» Lesen wir «Shitstorm» ist uns sofort klar, worum es geht. Aber haben Sie schon mal von einem «Candystorm» oder «Lovestorm» gelesen oder noch besser – sich schon mal an einem beteiligt? Sogar mein Rechtschreibeprogramm erkennt das Wort «Shitstorm», weisst mir die anderen beiden aber als unbekannte Rechtschreibefehler aus. Unbekannt – sind wir auf dem Weg, dass uns «Dankbarkeit» unbekannt wird?

Gerade die anstehende Adventszeit brächte doch eigentlich Gelegenheit genug, Dankbarkeit zu pflegen und einander Wertschätzung zu schenken. Aber wir wollen niemandem zu Last fallen, alles allein bewältigen und nicht abhängig werden. Und wenn dann doch jemand etwas für uns tut, dann weil die Person das zu tun hat.

Dankbarkeit aber bringt uns an den Punkt, an welchem wir einsehen und wertschätzen, dass uns jemand geholfen hat. Es braucht Aufrichtigkeit, dankbar zu sein und es braucht Mut, Dankbarkeit zu zeigen.

Wo «Shitstorms» sich auf das Schlechte fokussieren und damit womöglich noch mehr Raum geben, fokussiert sich Dankbarkeit auf das Gute. Sie fördert das positive Verhalten und wirkt motivierend. Oder wie es Otto Friedrich Bollnow in seinem Aufsatz «Über die Dankbarkeit» formuliert: «Es gibt wohl kaum eine andere Eigenschaft des Menschen, die so geeignet ist, den Zustand seiner inneren, geistigen und sittlichen Gesundheit zu erkennen, wie seine Fähigkeit, dankbar zu sein.».

Auch in Rümlingen haben wir viele Gründe, dankbar zu sein. Mehr als vierzig Personen setzten sich für unser Dorf ein. Nur wenige von ihnen sind «sichtbar», die meisten verrichten ihren Dienst im Hintergrund. Darum danke dem Abwartsteam, den Brunnmeistern, den Grüngutentsorgern, den Jägern, dem Rechnungs- und Geschäftsprüfungsteam, der Schulleitung und den Lehrpersonen, der Sozialhilfe, der Verwaltung, dem Wahlbüro, den Wasenmeistern, der Weibelin, dem Werkhofteam, den Winterdienstlern und den Delegierten der Stiftung APH und der Zweckverbände Musikschule, Forst, Friedhof und Wasser.

Und danke meinen Kindern, für immer wieder neue Lektionen.

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